Kunsthistorisches Museum: Eintauchen in andere Sphären!

Wie vor Monaten von langer Hand geplant, gingen wir, die Mediengruppe/Vormittag, am Dienstag, den 5. November 2024 ins Kunsthistorische Museum. Um 10h30 fanden wir uns beim Museum am Maria – Theresien – Platz ein, welches sich gleich neben dem hiesigen Christkindlmarkt befindet.

Mit dem Kulturpass war der Eintritt gratis, mit Behindertenausweis ermäßigt. Ausgestattet mit den Eintrittskarten passierten wir die Eingangsschranken und trafen in der großen Halle auf unsere Museumsguide, die Mutter einer KlientIn aus der Mediengruppe. Einige TeilnehmerInnen gaben noch ihre Jacken und Rucksäcke in der Garderobe ab, und los ging’s!

Unsere Guide war sehr bewandert und kannte sich im Museum gut aus. Die Antikensammlung und Ägyptisch – Orientalische Sammlung, einer der drei Stiegenaufgänge von der großen Halle, war an diesem Tag geschlossen. Der Stiegenaufgang auf der linken Seite führte unter anderem in die Kunstkammer, in der sich das goldene Salzfass, die „Saliera“, befindet, welches vor einigen Jahren gestohlen wurde.

Wir nahmen den mittleren Aufgang, welcher in die Gemäldegalerie führte, und widmeten uns speziell den italienischen Meistern der Frührenaissance (15. und 16. Jahrhundert). Das erste Bild, welches wir besprachen, handelte vom heiligen Sebastian, einem christlichen Märtyrer und ehemaligen Anführer der kaiserlichen Leibgarde, der wegen seines Übertritts zum christlichen Glauben auf Befehl des Kaisers Diokletian mit Pfeilen erschossen wurde. Es wurde zwischen 1457 und 1459 von Andrea Mantegna auf Pappelholz gemalt.

Die Gruppe betrat mehrere Kabinette mit Gemälden von vielen wusste unsere Guide eine Geschichte zu erzählen. So unter anderem vom zwischen 1523 und 1524 gemalten „Selbstbildnis im Konvexspiegel“ (siehe Foto oben), ein Geschenk des Künstlers Francesco Mazzola, genannt Pamigianino, an den damaligen Papst Clemens VII, welches ebenfalls auf gewölbtem Pappelholz gemalt ist. Das Verwirrspiel „Spiegel oder Bild“ trifft einen wichtigen Aspekt der neuzeitlichen Malerei, der da ist Täuschung und Illusion. Ein weiteres Bild desselben Künstlers aus den Jahren 1534 bis 1539 ist der „Bogenschnitzender Amor“ (siehe Foto unten), ein erotisch dargestellter Jüngling, der mit seinen Liebespfeilen Unruhe stiftet. Die zwei Engel zu seiner Seite personifizieren die Schwierigkeit der Entscheidung zwischen himmlischer und irdischer Liebe.

Im nächsten Kabinett bewunderten wir die vier manieristischen Bilder von Giuseppe Arcimboldo, Konstrukte im Wechselspiel von den vier Jahreszeiten und den vier antiken Elementen Feuer, Erde, Wasser und Luft. Das erste Bild stellt den „Sommer“ (siehe Foto unten) dar, es ist auf das Jahr 1563 datiert. Es ist ein Kopf, der zu 100% aus gemalten Pflanzenteilen zusammengesetzt ist, an keiner Stelle zeigen sich Anteile eines natürlichen Gesichtes. Die Früchte des Sommers ziehen sich durch das gesamte Gemälde, ein eigenwilliger Stil, welcher den „Manierismus“ kennzeichnet. Das zweite Bild zeigt das „Feuer“, ein Kopf, der wieder in der Form eines Gesichtes die feueranteiligen Konstrukte, wie Kanonen, Revolver, Öllampen und brennende Holzscheite vereint. Dieses Bild ist auf das Jahr 1566 datiert. Am Hals befindet sich die Ordenskette vom goldenen Vlies und ein Doppeladler – Medaillon, welches auf den damals regierenden habsburgischen Kaiser Maximilian II anspielt. Das dritte Bild zeigt den „Winter“ und das vierte Bild das „Wasser“.

Nach den manieristischen Gemälden machten wir Halt beim Bildnis „Madonna im Grünen“, ein Gemälde von Raffaello Santi, genannt „Raffael“, aus dem Jahr 1505 oder 1506. Wir sehen die Maria mit zwei spielenden Kindern, die ein Kreuz tragen. Der Kopf Mariens, der eine Fuß aus dem Rocksaum stehend sowie ein Fuß des Buben bilden die Ecken eines gleichseitigen Dreiecks, eine symmetrische Form. Die gesamte Gruppe ist eingebettet in eine liebliche Wiesenlandschaft in deren linkem Horizont ein Dorf mit einer Kirche erscheint. Der See, an dessen Ufer das Dorf sich befindet ist umrahmt von Bergen und das Licht entschwindet ins Zeitlose. Die beiden Buben sind nackt gezeichnet, das Kleid der Madonna ist zweiteilig, ein weinroter bis purpurner Oberteil und ein azurblauer Rock, der bis an die Füße reicht. Beides sind Farben, die in der Kirche zur Darstellung des irdisch – weltlichen gehäuft Verwendung finden, vor allem ab der Renaissance – Malerei.

Nach der Besprechung von Raffaels Bild gingen wir in einen großen Saal, welcher das Ende der Reise an diesem Tage darstellte. Wir betrachteten neben den wunderschönen Stadtbildern von Bernardo Bellotto, genannt „Canaletto“, eingehender zwei Kunstwerke aus der italienischen Malerei des frühen 17. Jahrhunderts, nämlich die Pietà von Annibale Carracci aus dem Jahr 1603, welche die trauernde Maria um den vom Kreuz abgenommenen Christus zeigt. Sein Kopf und Rücken liegen auf ihrem Schoß, die Wundmale an Händen und Füßen sind deutlich sichtbar. Zwei Engel vertrösten die blasse Maria auf das bevorstehende ewige Leben. Links oben hinter der Vierergruppe sieht man eine Landschaft mit Baum im Wind, wolkenbedeckt, ein Gewitter ist nahend. Vermutlich soll es die zürnende Natur darstellen. Im Gegensatz zur farbenfrohen Madonna im Grünen des Raffael ist dieses Bild in fast monochromes blauviolett getaucht, ein Ausdruck des Leidens. Lediglich der eine Engel erscheint in komplementärem Gelb, welches einen Hoffnungsschimmer erlaubt.

Das zweite Bild zeigt die Rosenkranzmadonna, ein Gemälde des Künstlers Michelangelo Merisi, genannt „Caravaggio“ aus dem Jahr 1601. Die Madonna fordert den heiligen Dominikus auf Rosenkränze an das Volk zu verteilen. Der heilige Petrus, der Märtyrer, gezeigt mit einer Axtwunde im Gesicht, verweist auf den Christusknaben, der am Schoße der Madonna steht. In ihm soll der Ursprung aller Gnaden sein. Das Volk, bettelnd um die Rosenkränze, ist größtenteils barfuß und sehr authentisch gezeigt.

Bei diesem Altarbild verabschiedete sich die Gruppe von ihrer Guide und ging, in tiefem Eindruck des soeben gesehenen, getrennter Wege. Wir hatten einen sehr interessanten Vormittag im Kunsthistorischen Museum!

Text: Harry M.

Fotos: MG

Hinterlasse einen Kommentar

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..